
copyright: Kidizin Sane
Ehrenamtlich im Cafe „Zeitreise in der Josefstadt“, tätig zu sein, erfüllt mich mit Glück. Es zeigt mir immer wieder worum es im Leben geht, nämlich um ein Miteinander. Wenn ich in der Josefstadt einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass sich meine Mitmenschen besser fühlen oder Unterstützung von mir bekommen, die sie gerade benötigen, dann mache ich das nicht nur gerne sondern mit ganzem Herzen.

Sabine Hauswirth/ÖNB
Wieweit es uns gelingt, ältere Menschen zu integrieren, ihnen das Gefühl zu geben, immer noch dazu zu gehören, nicht an den Rand gedrängt zu werden, ist ein direkter Maßstab der Humanität einer Gesellschaft.
Es geht um ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Leben bis zu seinem Ende. Dazu bedarf es der Achtsamkeit und Empathie von uns allen – aber auch besonderer Hilfsmittel, die es vielfach schon gibt, die aber oft zu wenig bekannt sind. Diese Angebote in meinem Heimatbezirk, der Josefstadt, zu vernetzen und besser sichtbar zu machen, halte ich für eine ausgezeichnete Idee, die ich sehr unterstütze.

Es geht uns so gut – daher sollten wir ein wenig Dankbarkeit zeigen, indem wir Achtsamkeit und Unterstützung jeglicher Art an die Gesellschaft zurückgeben.

Ich weiß, dass nicht jeder und jede so „kontaktfreudig“ ist wie ich es von Natur aus bin. Aber gerade jetzt merken wir, dass wir ohne menschliche Verbindungen uns nicht nur einsam fühlen, sondern auch ganz konkret ohne Hilfe dastehen! Gemeinschaft ist uns Menschen ein Naturbedürfnis. So freut es mich umso mehr, dass in unserem 8. Bezirk neue Initiativen gestartet wurden, um die Menschen einander näher zu bringen: nicht nur leiblich (obwohl die zahlreichen Hilfsangebote gerade jetzt besonders erfreulich sind!), sondern auch geistig: durch Gesprächsgruppen und gemeinsame Aktionen, derzeit wohl nur über elektronische Medien möglich. Beispielsweise ist unsere pfarrliche Frauengruppe über WhatsApp eng verbunden – und das stärkt uns!

Achtsamkeit in der Josefstadt- Achtsames aufeinander Zugehen, statt aneinander Vorbeigehen. Hinschauen statt Wegschauen. Zuhören statt Weghören. Achtsames Miteinander statt Nebeneinander.

Es macht mir so eine Freude, mit Demenz erkrankten Personen in der Josefstadt im „Café Zeitreise 8“ zusammen etwas zu unternehmen. Gemeinsam machen wir verschieden Themen, singen, basteln und vieles mehr. Es ist einfach wichtig, den Menschen mit Demenz zuzuhören und Wertschätzung zu zeigen. Das unbeschreibliche Gefühl von einem Danke oder nur einem Lächeln oder die Aussage, dass sie es kaum erwarten können, uns in zwei Wochen wieder zu sehen ist traumhaft. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen, sich ehrenamtlich einzubringen.

Achtsamkeit ist für mich ein Sorgeprinzip. Ich bemühe mich, um einen achtsamen Umgang mit mir selbst. Sorgsam auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen und den Anforderungen des Alltags begegnen zu können, ist eine lebenslange Entwicklungsaufgabe. Achtsam mit Menschen umzugehen, seien es ältere oder Nahestehende von körperlich und psychisch beeinträchtigten Personen, ist mir sehr wichtig. Sorgende Netzwerke, wie der Gesprächskreis „Meine Frau hat Demenz“ in der Josefstadt und die Initiative achtsamer8 geben Verbundenheit und Halt. Dies sind Bedürfnisse, die wir als Menschen von Geburt bis zum Lebensende brauchen.

Zwei Drittel meines bisherigen Lebens habe ich im 8. Bezirk verbracht. Hier bin ich daheim. Ich liebe die Grätzelkultur, insbesondere die kleinen, gemütlichen Beisln und traditionellen Kaffeehäuser. Diese Orte inspirierten mich, das Zoom-Beisl „Café Dementi – Online mit Anfängergeist“ ins Leben zu rufen. Die Theke der „Virtin Katharina“ steht mitten im 8. Bezirk, während die „Virtsstube“ von der Ostsee bis zum Mittelmeer reicht. Der „Achtsame 8.“ ist ein verlässlicher Partner, und die engagierten Menschen hier haben mein Grätzel noch schöner gemacht. Sie erfüllen die Idee sorgender Gemeinschaften mit Herzblut. Ein bisschen von dieser Einzigartigkeit der Josefstadt kann ich über das Netz verteilen.

Aufeinander schauen, andere Menschen und Einrichtungen mitdenken und zusammenbringen, Synergieeffekte nutzen, über den Tellerrand hinausdenken, offen sein für Bedarfe anderer und einfach zur Tat schreiten, wo nötig. So verstehe ich auch meine Arbeit in der Kulturvermittlung und finde es sehr beruhigend, dass hier im Achten die Achtsamkeit so hochgeschrieben wird.

Das gemeinsame Erinnern, ist ein wichtiger Teil des ACHTSAMEN 8. und es freut mich, als Leiterin des Bezirksmuseums Josefstadt einen Beitrag zum Achtsamen-Bezirksnetzwerk zu leisten. Das Bezirksmuseum ist für alle Besucher*innen kostenfrei zu besuchen und unsere Ausstellungen und Veranstaltungen werden auch als Kommunikationsplattform angenommen. Ältere Josefstädter*innen stehen uns immer wieder als Zeitzeug*innen und Auskunftspersonen zur Verfügung. Besonders freuen wir uns über historische Fotos, die uns überlassen werden.

Im ACHTSAMEN 8. erlebe ich, wie Achtsamkeit und echtes Miteinander in einem Bezirk gestaltet, gelebt und geschätzt werden – etwas, das ich in meiner Kindheit im Dorf ein Stück weit kennenlernen durfte.
Hier wird füreinander gesorgt, umeinander gekümmert und voneinander gelernt. Unterschiedliche Lebensrealitäten finden Platz, gesellschaftliche Themen werden kritisch hinterfragt und gemeinsam wird an Lösungen gearbeitet. Dieser Anspruch erfordert viel Engagement, Zusammenhalt und Kraft aller Beteiligten. Genau dieser Zusammenhalt macht den 8. Bezirk zum ACHTSAMEN 8. Es ist mir immer eine große Freude, wenn ich hin und wieder einen Beitrag dazu leisten darf.